Woher kommt die Bezeichnung?

Woher kommt die Bezeichnung "Schneeberger Krabbe"?


Zu dieser oft gestellten Frage findet sich eine Begriffsdeutung in dem im Jahre 2003 aufgelegten Büchlein „Stampes, Worzelköpp und Staffelbrunzer - Ortsnecknamen im Landkreis Miltenberg" . Der Autor beschreibt darin in anschaulicher Weise die Lebens- und Wirtschaftsverhältnisse, welche zum Aufkommen von Spottnamen („Uznamen") führten. Als Entstehungszeit der Spottnamen sieht er dabei in der Regel die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts an. Bezüglich des hiesigen Spottnamens heißt es in diesem Büchlein: „Den Schneeberger Krabben wird nachgesagt, sie hätten sich wie hungrige Vögel auf jedes verfügbare Stück Vieh gestürzt und regelmäßig ein Stück Rindfleisch auf dem Teller gehabt".

Wer nun um die wirtschaftlichen Verhältnisse in früheren Jahren weiß und sich vor Augen hält, dass in Schneeberg überwiegend nur kleinbäuerliche Betriebe bei durchweg schlechten Boden- bzw. ungünstigen Geländeverhältnissen existierten, kann sich einen regelmäßigen Rindfleischverzehr nicht vorstellen.

Bei der Überprüfung der in diesem Büchlein angegebenen Quellenliteratur, dem Physikatsbericht (=Amtsarztbericht) von 1861 für den damaligen Landgerichtsbezirk Amorbach zeigt es sich, dass dort von einem regelmäßigen Rindfleischverzehr in Schneeberg auch nicht die Rede ist. Der damalige Amtsarzt, Dr. Johannes F. Flessa, schreibt in seinem Bericht zur Ernährungslage von einer überwiegend fleischlosen Kost. Eine Ausnahme seinen hierbei die Schneeberger, welche mehr Rindfleisch als die anderen Bezirksbewohner genießen würden. Wörtlich heißt es: „Sie bilden die Hauptkäufer, wenn irgend ein Landwirt genötigt ist, ein erkranktes Stück Vieh schlachten und aushauen zu lassen.

Mit beflügelten(!) Schritten eilen sie dem Kaufplatze zu und kaufen tüchtig ein. Dieser Eigenschaft verdanken sie den Spottnamen „Krabbe".“

Nach derzeitigem Kenntnisstand handelt es sich bei diesem Amtsarztbericht um das wohl älteste Schriftstück, in welchem der Spottname „Krabbe" für die Schneeberger dokumentiert ist.

Recherche: Michael Meixner